Uaaahh :: Zinckgasse

Heute haben wir ein Anbot für den Kauf einer Eigentumswohnung unterschrieben. Großer Wohnraum, drei Schlafkabinette, Balkon, Altbau, ruhige, kühle Lage direkt hinter dem Westbahnhof, gute Volksschule gegenüber und Billa in Sichtweite. Tolle Ausstattung, günstiger Preis.

Ich würde mich gern mehr freuen können, aber das kommt vielleicht erst. Im Moment denke ich nur, wie ungerecht es ist, dass meine Ahn*innen halt irgendwann am Land zwei, drei Äcker gekauft haben, die jetzt zu Bauland umgewidmet und verkauft werden konnten. Dass 200.000 Euro lukriert und angelegt werden können, für die ich nichts getan habe und auch meine Eltern nicht und eigentlich niemand, den ich kenne. Es ist so ein unverdientes Geschenk und ein so großes, dass ich mich dafür schäme. Ich denke nach, wann und wie ich es meinen Freund*innen sagen kann, wann und wie ich sie einladen und ihnen die Wohnung zeigen kann, wann und wie ich das schaffe. Ich glaube, in meinem Freundeskreis könnte niemand sich eine Wohnung kaufen. Meine Eltern schauen immer komisch, wenn ich ihnen sage: In meiner Welt sind wir die Reichen.

Dann kommt noch dazu, dass man auf 90 Quadratmetern mit drei Schlafkabinetten locker sechs Leute unterbringen könnte, für eine Übergangszeit auch mehr. Was soll ich der syrischen Familie sagen, die jetzt in einer Wohnung mit einem Schlafzimmer leben, wo die drei Kinder gemeinsam auf der Auszieh-Eckcouch schlafen? Sie haben N. und mich zum Besuch inklusive Essen eingeladen, es war total nett, ich möchte sie zum Gegenbesuch einladen und schäme mich für meinen Luxus und mein Glück, für die ich – siehe oben – wirklich gar nichts getan habe. Für die Familie ist es eine große Verbesserung, aus dem Massenquartier herauszusein, sie sind auf einem guten Weg, haben schon den positiven Asylbescheid, der Mann, M., hat sogar einen Job bekommen, die Frau, N., hatte bisher nur den Beruf der unbezahlten Hausfrau, da wird es schwer mit der größeren Wohnung, aber wer weiß, was sie noch schafft, sie ist jung und klug.

Und ich schäme mich, dass wir niemanden aufnehmen werden in unsere Wohnung.

Vielleicht in ein paar Jahren, wenn unser N. größer ist. Oder mir fällt etwas anderes ein, mit dem ich meine Schuld gegenüber dem Universum ausgleichen kann.

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