Über das Glück

Ich bin glücklich. Das ist fast seltsam zu schreiben, weil es so aufdringlich und gleichzeitig so unglaubwürdig klingt. Trotzdem stimmt es. Und immer wieder überlege ich, ob ich zu diesem Glück etwas beigetragen habe, ob das Glücklichsein eine Fähigkeit ist, die mensch lernen kann, und wenn ja, wie ich diese Fähigkeit meinem Sohn weitergeben kann.

Ein sehr großer Teil meines Glücks besteht aus Dingen, für die ich dankbar bin. Jeden Tag frisches Gebäck kaufen zu können empfinde ich zum Beispiel als sehr luxuriös. Ich weiß, es geht hier um Cent- oder kleine Euro-Beträge. Aber man könnte ja auch eine Scheibe Brot essen.

Lebensmittel kaufen und dabei nicht aufs Geld schauen müssen. Die schöne, warme Wohnung. Licht und Wasser funktionieren, gute Fenster halten den Lärm draußen. Mich ohne Angst auf der Straße bewegen zu können. Unser großes Bett, in dem wir zur Ruhe kommen. Jemanden haben, der hilft, wenn ich oder mein Kind krank sind. – Die ganze umfassende Sicherheit dieses bürgerlichen Spießerlebens macht mich sehr dankbar und fasziniert mich zugleich, denn sie ist so aufwändig, milliardenschwer, personalintensiv und politisch umkämpft, dass ihr Funktionieren fast einem Wunder gleicht.

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