Eine Frau

Den Ahmed aus Aleppo besucht, der seit mehr als zwei Jahren in Oberösterreich lebt und mehr als zwei Jahre auf seine Frau und die drei Kinder gewartet hat. In Izmir waren sie, aber jetzt sind sie da, und er strahlt. Wie ausgewechselt das müde, depressive Gesicht, er schaut so viel jünger aus und ist wohl sehr glücklich, auch wenn er sagt, dass er nach zwei ruhigen Jahren die ersten drei Tage zu fünft dauernd Kopfweh hatte. Er lacht dabei.
Seine Frau, deren Namen ich mir leider nicht gemerkt habe, begrüßte uns mit Küsschen – meine Mutter, meinen kleinen Sohn und mich. Sie ist jünger als ich, klein, ein bisschen mollig und hat ein langes enges Leiberl an mit Glitzer darauf, kunstvoll und absichtlich zerrissen an den Schultern, sie zeigt weiche, weiße Arme, Po und Hüften sind umschlossen, die ganze Kontur. Lange gefärbte Haare, am Ansatz wächst schon die natürliche Farbe nach. Sie erinnert mich an eine ehemalige Mieterin im Haus meiner Mutter, auch eine kleine, rundliche, junge Frau. Wieder sehe ich ihre Arme, so weiß wie meine, der Ahmed ist schwarzhaarig und hat einen wärmeren Teint, sie hingegen könnte aus Kremsmünster sein, dem Ort, in dem sie jetzt mit ihrer Familie wohnt, sie könnte mit mir in die Schule gegangen sein, auf der Straße würde niemand ahnen, dass sie aus Syrien kommt. Sie könnte rauchen und ausgehen und zynische Kommentare spucken. Ich lächle sie an, denn wir können noch nicht miteinander sprechen.
Dann zeigt Ahmed die Fotos vom Flughafen, er und die Kinder, und sie: Schwarzer Schleier, das Gesicht ist frei, doch der Stoff reicht bis herauf zum Kinn. Alle einander umarmend. Die Frau in schwarz: Es gelingt mir nicht, sie mit der Frau mir gegenüber zur Übereinstimmung zu bringen. Meine Assoziationen sind völlig andere, ich erwarte eine völlig andere Persönlichkeit, ich merke einmal mehr, wie fremd mir der Schleier ist und wie wenig ich ihn verstehe. Ein Vexierbild, zwei völlig verschieden Frauen, die doch ein und dieselbe sind. Ich finde das alles sehr spannend.

Am schönsten ist, wenn meine Mutter von früher erzählt

also das feld neben dem baugrund hat da hoizbau. das sind so nette leute! er war auf der boku. ein studierter landwirt. für das feld zahlt er pacht, ein bissl weniger jetzt, weil das so klein geworden ist nach der umwidmung. die wiese vor dem haus maht der pölleder david, aus kulanz. ich geb ihm immer dafür was.

(wieviel?)

kommt darauf an, was ich daheim habe. einen fünfziger habe ich ihm auch schon einmal gegeben. dann gibt es noch die wiese hinter dem kleinen teich, die hat auch der holzbauer in pacht. weißt eh, wo letztes jahr so eine schöne blumenwiese war. die kriegt er in die förderung hinein. und dann gibt es noch einen streifen auf dem feld vom weger. da gibt es keinen pachtvertrag, das zahlt er einfach so, weil wir noch nicht dazu gekommen sind. wenn wir gach einmal fünftausend euro brauchen, können wir ihm den streifen immer noch verkaufen. die bäuerin will ihn eh immer haben, aber sie kriegt ihn nicht. sie ist eine urschel, aber keine gesunde. krebs.

ich weiß noch, dass der alte bürgermeister damals meinen eltern gedankt hat, dass sie so viel grund verkauft haben. wie wichtig das war für das dorf, dass sich die siedlung entwickeln können hat. damals habe ich das nicht verstanden, wieso sich der bedankt.

(aber durch deine arbeit am bauamt auf der gemeinde hast du einen einblick in raumplanung und dorfentwicklung bekommen.)

ja, stimmt. heute verstehe ich das. der ganze grund links von der straße hinauf zur bundesstraße war ursprünglich bei uns, und der auf der anderen seite hat der pölleder mitz gehört. wir haben halt von dem grund und dem haus gelebt. das weiß ich noch, dass wir manchmal getreidefelder hatten. und ein schwein.

was heute die waschküche ist, das war damals der stall von dem schwein. und darüber, in der etage, waren die hühner. da gab es eine hühnerleiter, da sind die immer hinaufgegangen am abend. das schwein war drinnen. im herbst ist immer das schwein abgestochen worden. das war immer so eine besondere stimmung, das weiß ich noch. auf dem platz, wo jetzt die stufen hinauf zu (den mietern) ist, dort war der platz, wo sie das schwein umgebracht haben. meine oma war immer recht traurig, wenn sie ein schwein umbringen müssen haben, das sie das ganze jahr gefüttert hat. aber dann gab es viel fleisch. und dann weiß ich auch noch, dass im herbst immer der fasslbinder gekommen ist und die mostfassl angeschlagen hat. das wurde dann so irgendwie ausgebrannt. als kind habe ich auch gezuckerten most getrunken, das war ganz normal.

als kind habe ich das nicht so gemerkt, aber wir waren schon sowas wie oberschicht. der großvater war postmeister, den posten hat er bekommen, weil er verwundet aus dem krieg zurückgekommen ist. der vater war gendarm. der ist krank aus dem krieg zurückgekommen. meine oma hat immer gesagt, wir haben geglaubt, wir derfüttern den papa nicht. so einen hunger hat der gehabt. er hat die ruhr gehabt, da bleibt nicht viel drinnen. und ich weiß noch, der papa hat immer die große gabel gehabt beim essen. da gab es so eine schwarze gabel, die war größer als die anderen. die hat er gehabt.

er hat sich auch immer draußen am graunder gewaschen. auch wenn es ganz kalt war. und wenn opern im radio waren, hat er sich darüber lustig gemacht: woooo ist mein zahnbüüürschtl?

(den witz mache ich mit meinem sohn heute auch.)

ja. also, wir haben viel grund verkauft und wir waren vielleicht so etwas wie oberschicht, aber als kind habe ich das nicht gemerkt. mir ist das nicht aufgefallen.

(das kann dir nicht auffallen, als kind ist das für dich normal.)

und als ich dann in die hauptschule gekommen bin, hat sich das eh alles aufgehört.

Uaaahh :: Zinckgasse

Heute haben wir ein Anbot für den Kauf einer Eigentumswohnung unterschrieben. Großer Wohnraum, drei Schlafkabinette, Balkon, Altbau, ruhige, kühle Lage direkt hinter dem Westbahnhof, gute Volksschule gegenüber und Billa in Sichtweite. Tolle Ausstattung, günstiger Preis.

Ich würde mich gern mehr freuen können, aber das kommt vielleicht erst. Im Moment denke ich nur, wie ungerecht es ist, dass meine Ahn*innen halt irgendwann am Land zwei, drei Äcker gekauft haben, die jetzt zu Bauland umgewidmet und verkauft werden konnten. Dass 200.000 Euro lukriert und angelegt werden können, für die ich nichts getan habe und auch meine Eltern nicht und eigentlich niemand, den ich kenne. Es ist so ein unverdientes Geschenk und ein so großes, dass ich mich dafür schäme. Ich denke nach, wann und wie ich es meinen Freund*innen sagen kann, wann und wie ich sie einladen und ihnen die Wohnung zeigen kann, wann und wie ich das schaffe. Ich glaube, in meinem Freundeskreis könnte niemand sich eine Wohnung kaufen. Meine Eltern schauen immer komisch, wenn ich ihnen sage: In meiner Welt sind wir die Reichen.

Dann kommt noch dazu, dass man auf 90 Quadratmetern mit drei Schlafkabinetten locker sechs Leute unterbringen könnte, für eine Übergangszeit auch mehr. Was soll ich der syrischen Familie sagen, die jetzt in einer Wohnung mit einem Schlafzimmer leben, wo die drei Kinder gemeinsam auf der Auszieh-Eckcouch schlafen? Sie haben N. und mich zum Besuch inklusive Essen eingeladen, es war total nett, ich möchte sie zum Gegenbesuch einladen und schäme mich für meinen Luxus und mein Glück, für die ich – siehe oben – wirklich gar nichts getan habe. Für die Familie ist es eine große Verbesserung, aus dem Massenquartier herauszusein, sie sind auf einem guten Weg, haben schon den positiven Asylbescheid, der Mann, M., hat sogar einen Job bekommen, die Frau, N., hatte bisher nur den Beruf der unbezahlten Hausfrau, da wird es schwer mit der größeren Wohnung, aber wer weiß, was sie noch schafft, sie ist jung und klug.

Und ich schäme mich, dass wir niemanden aufnehmen werden in unsere Wohnung.

Vielleicht in ein paar Jahren, wenn unser N. größer ist. Oder mir fällt etwas anderes ein, mit dem ich meine Schuld gegenüber dem Universum ausgleichen kann.

Labyrinth-Gedächtnis-Blogpost

Damals schlief ich noch mit meiner Schwester in einem Zimmer. Ich weiß das, weil ich mich deutlich erinnere, mich auf das obere Stockbett geworfen zu haben. Und ich weiß mit Sicherheit, dass ich seufzte: »Warum passiert mir nie sowas?«

Bei einem Märchenfilm wie »Labyrinth«, aus dem wir gerade heimgekommen waren, ist das natürlich eine seltsame Frage. Warum werden meine Plüschtiere nicht lebendig? Warum darf ich nicht meine Kräfte mit David Bowies Leggins einem Koboldkönig messen? Warum tanze ich nicht auf einem Maskenball in einer Glaskugel?

In Wirklichkeit bezieht sich die Frage natürlich auf etwas anderes, und die Reaktionen vieler Frauen, die heute nach David Bowies Tod von »Labyrinth« erzählten, ließen daran auch keinen Zweifel. Es war eine wunderschön anzuschauende, spannende und berührende Coming-of-Age-Geschichte, deren sexuelle Untertöne ich damals kaum verstand, die aber stark spürbar waren und viel dazu beitrugen, dass der Film sich in mir über Monate oder vielleicht sogar Jahre festsetzte.

Für mich war »Labyrinth« aber auch eine – vielleicht die erste – von vielen Geschichten, die mir den Glauben an den Märchenprinzen austrieben, noch bevor er überhaupt richtig festgesetzt war. Was für ein Glücksfall! Als Sarah im Schlussshowdown Jareth gegenübersteht und er in letzter Not noch einmal sein Süßholz abraspelt, schaltet sie einfach auf Durchzug, bis ihr die entscheidenden Worte wieder einfallen: »Du hast keine Macht über mich.« Und das war es dann. (YouTube-Link)

Dann ist der Zauber vorbei – fast. Denn ihre neuen Freunde bleiben bei ihr. Und es blieb bei der Zuschauerin auch die Melancholie darüber, dass Sarah ihren erfundenen Märchenprinzen austreiben musste. »I can’t live within you« (YouTube-Link) hatte eine von Jareths Balladen geheißen. Niemand in dem Film hielt es jemals für eine gute Idee, sich mit einem dominanten Alphatier in den schon erwähnten Leggings einzulassen, nicht einmal der König selbst.

Wie gesagt – was für ein großer, großer Glücksfall.

In den folgenden Jahren wurde ich David-Bowie-Fan, und ob er mir gefiel, weil ich seltsam war, oder ob ich seltsam wurde, weil er mir gefiel, lässt sich überhaupt nicht sagen. Woher ich Bowie überhaupt kannte, habe ich  den wenigen Menschen, mit denen ich über ihn sprechen konnte, verschwiegen. Denn das wusste ich schon, dass Kulturprodukte, die sich an Mädchen richten, als lächerlich gelten, egal wie gut sie gemacht sein mögen.

»Low« (YouTube) wird für immer eine Lebensplatte von mir sein, auch wenn ich sie nur in einer Kassettenversion vom Markt in Lignano kenne, ebenso »David Bowie live at the Tower Philadelphia« (YouTube). Bei »Never Let Me Down« bin ich dann ausgestiegen, die letzten Veröffentlichungen sind mir egal geblieben. Die Trauer, die heute nach Bowies Tod in sämtlichen Social-Media-Kanälen ausbrach, teilte ich nicht. Ich war schon viel zu weit weg. Später daheim hörte ich nur kurz »Absolute Beginners«

Es war einfach großartiges Songwriting.

Und es war die Stimme.

Also hoch die Tassen auf einen Künstler, der einen Teil von jedem unserer Herzen verzehrt hat!

 

(Und der, nebenbei, auch ein wirklich eher nur so mittelmäßig guter Schauspieler war. Küsschen!)

 

Zmück 1::2::1 Bruder

Mein Name liegt mit dir
in einem Karton
vor den Mauern des Friedhofs,
wo sie dich begruben.
Meine Mutter, ein Mädchen noch,
schämte sich lang
und weinte noch immer,
da war ich schon geboren.
Aber selten nur, leise und heimlich,
verborgen
im Dunst ihrer Küche,
so trauerte sie.

Du bliebst bei uns,
Gespenst, du
unschuldiges Wesen,
vermisst und erinnert.
Wie mein Name und deiner,
so waren wir eines,
und heute schon weiß ich,
dass, wenn ich einst sterbe,
kein Gott mich erwartet,
doch da bist noch du.

Bild: Flickr // Instill_Moments // CC BY 2.0

#70jahre

Als ich ein Teenager war, habe ich – wie alle Teenager damals – viel Radio gehört. Damals war Ö3 der Jugendsender, FM4 gab es noch nicht. Am Abend lief dort „ZickZack“. 1989, ich war 14, erinnerte sich Österreich an den Beginn des 2. Weltkrieges 50 Jahre zuvor. In ZickZack erzählten Jugendliche von ihrem Besuch in einer KZ-Gedenkstätte und was sie dort erfahren hatten. Und ich dachte: „Na, die übertreiben. So schlimm wird es schon nicht gewesen sein.“

Vor meinem geistigen Auge sehe ich noch die Gesprächsteilnehmer*innen, wie ich sie mir aufgrund ihrer Stimmen vorstellte. Und ich weiß noch, wie ich diesen Gedanken hatte: So schlimm wird es nicht gewesen sein. Damals war schon viel zum Thema Nationalsozialismus in den Medien, auch daran meine ich mich noch zu erinnern, aber in der Schule hatten wir noch nicht viel davon gehört. Zumindest muss das so gewesen sein. Denn dieser Gedanke, der kam mir, weil ich nichts wusste. Und weil ich mir nichts vorstellen konnte.

Wenig später unternahm unsere Schulklasse eine Exkursion in die KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Ein Überlebender führte uns durch die Anlage, seinen Namen weiß ich nicht. Es war ein kleiner, dicklicher Mann mit fröhlichen Augen, der als Kommunist hierher verschleppt worden war.

Wir gingen über die Todesstiege. Wir gingen in die Gaskammern. Die seltsamen Worte, die in meiner Welt niemand verwendete: Rampe, Baracke, Mütze. In einem Film in einem der Ausstellungsräume sprach ein alter Mann. Er war 1945 GI und dabei, als die Amerikaner das Lager befreit haben. Ein unsichtbarer Interviewer richtete die erste Frage an ihn und er brach in Tränen aus.

Die Berichte vom Morden. Und vom Sterben.

Es war ein schöner, sonniger Frühsommertag, als wir dort waren, der Tag, an dem ich erfahren habe. Ich dachte beim Weggehen, dass es solche Tage auch damals gegeben haben müsse, und die Gleichgültigkeit der Natur fand ich zynisch. Ausweglose existenzielle Verzweiflung, und auf den Bäumen zwitschern die Vögel.

Vermutlich im selben Jahr kam Hermann Langbein an unsere Schule und berichtete über sein Leben und Überleben in Auschwitz. Ich weiß nicht mehr, was er erzählt hat und was ich in seinem Buch „Menschen in Auschwitz“ gelesen habe. Aber seine ganze aufrechte Gestalt, seine Haltung und sein klares, intelligentes, ernstes Gesicht sind mir gut in Erinnerung. Er hatte gesprochen, sich dann an den Lehrertisch gesetzt, um kurz Pause zu machen und etwas zu essen, während die Klasse mit der Lehrerin weiterredete. Dann wurde eine Frage an ihn gerichtet. Er hatte seine Wurstsemmel fast fertiggegessen, ein gerade einmal daumengroßer Rest war noch übrig. Den legte er sofort auf den Tisch und erhob sich und sprach wieder lang und klar und anscheinend ohne zu ermüden.

Vor fast 20 Jahren ist Hermann Langbein in Wien gestorben.

#70jahre #niemalsvergessen

Licht und Lärm und Wandel

Foto 2-1Am 5. Jänner findet im Heimatort meines Vaters jedes Jahr ein sogenannter »Glöcklerlauf« statt. Dieses Jahr war ich, seit langem einmal wieder und zum ersten Mal mit Mann und Kind, unter den Zuseher*innen.

Winter, verpiss dich, keiner vermisst dich!

Am Ablauf hat sich seit meiner Kindheit fast nichts geändert: Weißgekleidete Menschen (früher nur Männer und Buben) tragen Kuhglocken an den Gürteln und auf den Köpfen große, kunstvoll gestaltete Kappen aus buntem Papier, die von innen mit Kerzen beleuchtet werden. Aus mehreren Richtungen kommen Gruppen dieser Glöckler zum Dorfplatz gelaufen, bilden dort, hinter der Sternkappe mit dem Schweif, nach verschiedenen Formationen eine lange Schlange, die sich über den Platz windet, und sollen so mit Licht und Lärm den Winter austreiben.

Alte Männer, neue Kappen

In meiner Kindheit sind die Glöckler noch tatsächlich gelaufen – heute ist der Mann unter der Leitkappe über 70 Jahre alt, wie mir mein Vater sagte, daher war es eher ein Glöcklergang und etwas weniger imposant als früher. Dafür sind die Kappen heute viel detailreicher gearbeitet und wirklich schön anzusehen. Die Stimmung war, trotz Nieselregen und viel zu warmem Wetter, sehr schön.

Der Schwarze Kaspar

Nach dem Lauf treten die Sternsinger des Männergesangsvereins auf. Verkleidet als »Die heiligen drei Könige«, singen die auch heute noch die gleichen Lieder wie früher. Wahrscheinlich ist tatsächlich noch niemand von ihnen auf die Idee gekommen, dass das Anmalen eines Österreichers mit schwarzer Schminke, der dann singt »Und ich stell als Kaspar den Neger vor!«, ein Problem sein könnte. (Mein Vater wusste aber gleich, was ich meinte, als ich fragte: »Was hat der da grad gesungen?«)

Tradition wird gemacht

Es wäre leicht, das zu ändern. Denn der Glöcklerlauf ist selbst ein Beispiel dafür, wie vermeintliche Tradion geschaffen und gemacht wird: Erst seit 50 Jahren, sagten mir meine Eltern, laufen die Vorchdorfer*innen dem Winter auf diese Weise davon. Der Brauch stammt nämlich aus einer weiter südlich gelegenen Region, aus dem Gosautal oder aus Ebensee, wenn ich mich recht erinnere, und wurde von einem Hauptschuldirektor, der von dort kam, nach Vorchdorf importiert. Heute gehört der Glöcklerlauf ganz selbstverständlich nach Vorchdorf. Es wäre schön, wenn er auch ins 21. Jahrhundert gehören könnte.

Bild: Glöckerlauf in Vorchdorf // 5. Jänner 2014 // Pamela Huck