[26. Februar 2016] Zwischenzeit

Zwischen Büchern, ohne rechten Plan für die nächste Lektüre.

Der N. heute krank, ich bei ihm daheim, Fieber, Husten, Gelächter und Meckern. Im Schlaf verschwitzte Haare. Der H. wieder auf Reisen, in London dieses Mal. Ich koche nicht, nur dem Kind einmal Suppe und dann Palatschinken. Ich esse schlecht. Fühle mich unrund, wie nicht ganz gesund, wie nicht ausgeschlafen, keine Lust auf die Welt.

Alles schnurrt auf den N. und den H. zusammen, Johannes kommt gerade irgendwie dazu (Hi, Leser!), sonst aber rutschen mir eher die Leute weg. Grad ist alles Aufgabe.

Grad ist alles fremd, mit meinen Büchern, dem Deutschkurs bleibe ich allein, auch gegenüber dem H. Ich sollte mehr reden, was das mit mir macht. Ich bin das aber nicht und werde es nicht mehr.

(Das hatten wir anders vereinbart. Das Sprechen haben wir uns zugesagt. Das war mein Versprechen. So sei es.)

Umarmungen. Lachen. „Ich liebe dich“, sagt sie mir, die hoffnungsloseste Deutschlernerin von allen. Das Zutrauen der Männer. Das Heimweh, der Schmerz, die sich langsam erst zeigen. Ich bin im vollen Kitschmodus, Zitate aus dem kleinen Prinzen fallen mir ein, zu meiner größten Beschämung: Dass man für jenes verantwortlich sei, das man sich vertraut gemacht habe.

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Sons and Lovers

Vorab: Der Titel dieses Buches startet beim Nachdenken zuallererst immer meine Gehirnmusicbox, die mir dann „In my Life“ von den Beatles in der Version von Tuck & Patti vorspielt, und das nur wegen der Zeile „But of all these friends and lovers // There is no one compares with you“. Die ja, wie man sieht, nicht einmal genau den Buchtitel wiedergibt.

Anyways, D. H. Lawrence also mal wieder, eine Ausgabe aus der Wühlkiste der Buchhandlung Kuppitsch in der Schottengasse. Nach der Enttäuschung von „Lady Chatterley’s Lover“ war dieses Buch eine Überraschung. Wie beweglich diese Sprache ist und wie im besten Sinne roh! Zuerst war ich überrascht, dass auf vielen Seiten manche Wörter, ganze Phrasen, oft wiederholt werden. Gab es hier kein Lektorat? Aber dann entwickelte diese Methode einen Sog, ein hypnotisches Leiern, das fast lyrisch war und sehr berührend. Modern und kunstvoll.

Auf der Handlungsebene passiert eigentlich nicht viel. Wir haben eine einfache Familie mit drei Söhnen, einer Tochter (die den Erzähler nicht interessiert, auch seltsam, warum er sie dann überhaupt einführt), der älteste Sohn stirbt im Lauf der Geschichte an einer Lungenentzündung (?), einfach so, um den mittleren dreht sich dann der weitere Handlungsverlauf. Seine symbiotische Beziehung mit der Mutter, seine platonische Liebe mit einer sehr vergeistigten jungen Frau, die er dann beendet, seine leidenschaftliche Affäre mit einer verheirateten Frau, die sich von ihrem Mann getrennt hat, auch diese tut ihm nicht gut – es ist sehr überzeugend und glaubwürdig, wie Gefühle und Begehren und Männer- und Frauenrollen in der Zeit beschrieben werden, und sehr erschütternd. Der Erzähler sieht und beobachtet Männer und Frauen genau, er erkennt vieles und beschreibt viele sehr komplexe, vielschichtige Empfindungen, aber er kommt nie zu dem Punkt, an dem er die Unfreiheit der Frauen benennen und als Ursache für das Unglück des Protagonisten ausmachen würde.

Manche Stellen, besonders wenn es um Sex ging, waren für mich auch kaum mehr zu entschlüsseln, die Andeutungen unverständlich, die Handlungen unklar. Er findet die Frau, die er wie wahnsinnig begehrt, nachts nackt vor dem Kaminfeuer hockend? Und dann umarmen sie sich nur? Kann das wirklich gemeint sein?

Als dann die vergötterte Mutter stirbt und der Protagonist immer verzweifelter wird, lesen wir dann eine schmerzhaft klare Beschreibung einer Depression, ohne dass deren Name genannt wurde. Auch hier war beeindruckt von den Facetten der Empfindungen, die der Erzähler zeigen kann. Und ich war immer wieder froh, in der heutigen Zeit zu leben, Bezeichnungen für Gefühle zur Verfügung zu haben und über ihren Verlauf Bescheid zu wissen. Es mag das Innenleben von uns Heutigen weniger Leidenschaft, weniger Pathos und weniger Bedeutung haben als das der Früheren – wenn das der Preis für das Glück ist, ist er allemal wert, bezahlt zu werden.

Die Reise

Ich gehe seit langer Zeit regelmäßig mit meinem Sohn N. in die Bücherei. Bisher war er eher an den dort in der Kinderbuchabteilung aufgebauten Plüschtieren und Spielsachen interessiert, während ich Bücher und CDs für ihn ausgesucht habe. Bei unserem letzten Besuch aber hat er plötzlich Bücher und Bücher und noch mehr Bücher angeschleppt, die er gern sofort vor Ort vorgelesen haben wollte. Deshalb möchte ich anfangen, seine Lektüre festzuhalten.

Ein Buch, das wir dieses Mal ausgeborgt haben, ist „Die Reise“ von Aaron Becker aus dem Gerstenberg-Verlag. Die ersten paar Seiten kann man im Internet durchblättern.

Die Bilder sind einfach wunder-, wunderschön. Und weil das Buch ganz ohne Text auskommt, fängt N. auch an, die Geschichte selbst zu erzählen und wartet nicht aufs Vorlesen – für das er ohnehin oft zu ungeduldig ist: Der H. und ich haben schon Routine darin, die wichtigsten Sätze einer Geschichte auf einer Seite aufzuspüren und vorzulesen, bevor eine kleine klebrige Hand schon wieder umblättert.

Mir gefällt auch, dass ein Mädchen Protagonistin ist, ohne dass das groß zum Thema gemacht würde. Auf einer Seite wird sie übrigens eingesperrt, weil sie einen Vogel befreit hat, das war beim ersten Mal ein wenig unheimlich für N., aber es war interessant zu beobachten, wie er damit klarkommt. Ganz große Empfehlung.

To Kill a Mockingbird

Das gab es lange nicht mehr, dass ich bis in die frühen Morgenstunden gelesen habe. Harper Lees »To Kill a Mockingbird« war spannend und interessant und widersprüchlich. Aus der Hand legen konnte ich es irgendwann nicht mehr.

Es sind die 1930er-Jahre in den USA. Ich-Erzählerin Scout, zu Beginn des Buches fünf, sechs Jahre alt, lebt mit ihrem großen Bruder Jem, ihrem verwitweten Vater Atticus und der Haushälterin Calpurnia in der Kleinstadt Maycomb in Alabama – Südstaaten also. Die Familie ist weiß, Calpurnia schwarz. Aber im ersten Teil der Geschichte spielt das kaum eine Rolle. Wir lernen die kleine weiße Gesellschaft kennen, in der die Kinder aufwachsen, die Nachbarinnen und Nachbarn, und erfahren, was Scout so umtreibt. Schon hier eine Überraschung: Das Mädchen schlägt sich so selbstverständlich, wie kleine Kinder es eben tun, sobald sie zornig oder enttäuscht ist.

Dann wird sie eingeschult, und die Klassengemeinschaft ist so vielschichtig wie die Stadt. Da sind die armen, aber stolzen Kinder, die sich von der Lehrerin kein Essensgeld leihen lassen wollen. Da ist aber auch der »Trash«, wie er ohne Skrupel genannt wird: Aggressive, verdreckte, von Ungeziefer geplagte Kinder aus einer Familie, die seit Jahren von der Sozialhilfe lebt. Scout selbst hat vom Vater schon lesen und schreiben gelernt, was der Lehrerin gar nicht passt und Scout den Schulbesuch vergällt.

Im Hintergrund wieder langsam angedeutet, dass die Kinder aufgrund der Sonderrolle des Vaters ein paar Schwierigkeiten mit anderen Kindern erleben werden. Bald stellt sich heraus, dass Atticus mit der Verteidigung eines schwarzen Arbeiters beauftragt wurde: Tom Robinson soll die 19jährige Tochter eines weißen Mannes vergewaltigt haben – und diese stammt aus jener Trash-Familie, die wir schon an Scouts erstem Schultag kennengelernt haben.

Das Buch steuert dann auch relativ gerade auf den dramaturgischen Höhepunkt, die Gerichtsverhandlung, zu. Die Kinder schleichen sich heimlich in den Gerichtssaal, um zuzuhören, und genau wie Jem sind auch wir danach eigentlich überzeugt, dass Atticus gewinnen muss. Anders als die Kinder wissen wir aber, dass das wegen dem Hass der Weißen gegenüber den Schwarzen nicht geschehen kann. Und tatsächlich sprechen die Geschworenen Tom Robinson schuldig – allerdings nicht sofort, sondern nach mehrstündiger Beratung, was Atticus schon als Fortschritt interpretiert.

Und jetzt kippt das Buch.

Denn Tom Robinson wird in ein anderes Gefängnis expediert, wo er auf die Berufungsverhandlung warten soll. Wie geht es jetzt weiter? Bleibt es ein Justizdrama? Dann ist die Ich-Erzählerin weg vom Fenster, denn sie wird die Berufungsverhandlung keinesfalls miterleben. Wird eine Gesellschaftsanalyse daraus, die durch die Augen des Kindes gesehen zeigt, was das Urteil in der Stadt auslöst? Dazu ist das Urteil zu alltäglich und für die weißen Bewohner zu selbstverständlich. Verändert das Urteil etwas im Bewusstsein des Kindes? Dazu ist Scout noch zu klein, lediglich ihr Bruder Jem will jetzt definitiv wie der Vater Anwalt werden und für Gerechtigkeit kämpfen. Schlimmer noch, Scout erkennt sogar in einer Schlüsselszene die Verlogenheit der weißen Frauen, fügt sich aber trotzdem erstmals in die von ihr erwartete Frauenrolle. Coming of age, the wrong way.

Damit bleibt die Krimihandlung als letzte Alternative.

Die Autorin räumt auf

Um das Thema Berufungsverhandlung zu erledigen, lässt Harper Lee Tom Robinson einen Fluchtversuch unternehmen, bei dem er erschossen wird. Das ist realistisch, aber natürlich die einfachste aller Lösungen und wird auch nicht gezeigt, sondern nur von einer anderen Person an Atticus berichtet. Kurz wird noch geschildert, wie Atticus und ein weißer Bewohner Robinsons Witwe die Nachricht überbringen und ihr Arbeit anbieten, so dass sie sich und ihre Kinder ernähren kann. Damit erlischt das Interesse der Autorin an den schwarzen Figuren komplett.

Es bleibt der Trash-Vater übrig, der zwar Recht gekommen hat, von Atticus in der Verhandlung aber gedemütigt worden ist und sich deshalb an ihm rächen will. Atticus hatte klar gemacht, dass die Tochter nicht vergewaltigt worden ist, sondern ganz im Gegenteil versucht hat, Tom Robinson zu verführen. Der Vater hat dann der Tochter die Schläge zugefügt, die er Tom Robinson in die Schuhe schob. Ärztliche oder gar gynäkologische Untersuchung hat es keine gegeben.

Als Scout und Jem also viel später allein auf dem Weg von einer Schulaufführung nach Hause in stockdunkler Nacht attackiert werden und Scout nur aufgrund eines absurden Kostüms unverletzt bleibt, das sie noch absurderweise auch nach der Schulaufführung noch trägt, stellt der Sherrif schnell fest, dass es der Trash-Vater ist, der mit einem Messer auf die Kinder losgegangen ist. Und der nun tot unter einem Baum liegt.

Wer urteilt über die Menschen?

Denn, und an dieser Stelle wird es wirklich absurd, ein Deus ex Machina ist den Kindern zu Hilfe geeilt: ein geheimnisvoller Nachbar, der seit Jahrzehnten das Haus nicht mehr verlassen hat und den aus seinem Versteck zu locken die Kinder sich lange erfolglos bemüht haben. Er hat Scout und Jem das Leben gerettet, aber wie sollte man nun mit ihm verfahren? Schließlich hat er einen Mann getötet.

Wir sind in der letzten Szene eines Buches, das in der Hauptsache ein Idealporträt des perfekten rechtschaffenen Anwalts, des Kämpfers für Gerechtigkeit ist. Und jetzt willigt dieser Gott des Gesetzes ein, die Version des Sherrifs zu unterstützen, wonach der Täter in sein eigenes Messer gestürzt sei. Denn eine Gerichtsverhandlung wäre dem scheuen Mann nicht zumutbar, sie würde ihn zerstören. Und eine der vielen Lehren, die Atticus seinen Kindern mitgegeben hatte, war ja:

Shoot all the blue jays you want, if you can hit ‚em, but remember it’s a sin to kill a mockingbird.

Offensichtlich ist auch Atticus der Ansicht, dass es solche und solche Menschen gibt – jene, die sich Recht und Gesetz zu fügen haben, und jene, die sich darüber hinwegsetzen dürfen. Denen es erlaubt ist zu entscheiden, wer von ihren Mitmenschen den wertlosen blue jays zuzurechnen ist und wer den geliebten mockingbirds. Ebenso wie bei Scouts Auseinandersetzung mit Weiblichkeit scheitert das Buch damit grandios an der Umsetzung seiner Absichten. Die Ideologie war stärker.

Bild: Flickr // Henry T. McLin // CC BY-NC-ND 2.0

Unspeakable Things, Underlined

The following quotes and excerpts were taken from Laurie Penny’s »Unspeakable Things. Sex, Lies and Revolution«, published 2014 by Bloomsbury Publishing. It’s what I underlined while racing through the book – there are many more noteworthy thoughts in it; and as it is really very well written, the book is full of vivid images and smack-down sentences that set your mind straight. Some of them I kept here for easier reference.

INTRODUCTION

One sure test of social privilege is how much anger you get to express without the threat of expulsion, arrest, or social exclusion, and so we force down our rage like rotten food until it festers and sickens us. (p. 1)

The ‚career woman‘ ist the new aspirational ideal for young girls everywhere: […] She is always beautiful, invariably white, and almost entirely fictional. Nonetheless, it is her freedom that is prioritised […]. (p 3)

When we speak of fighting sexism, whether we know it or not, we’re bringing our broken hearts to the table, all those stomach-twisting sexual rejections, our frustration, our loneliness and longing, the memory of betrayal, the pain of our childhoods. We’re also bringing the anxoius heat of our desire, our passion for our friends and partners and children, every time a lover has laid a hand softly over a part ouf your soul you didn’t know was stinging and soothed it. All of that at once, and more, and more, becuase gender politics are personal as well as political, but that doesn’t mean the political has to collapse into the personal. (p. 11)

Feminism is not a set of rules. (p. 16)

The fact that outside white suburbia women have always had to work for money does not factor into this convenient fiction.

Work itself has been repurposed as women’s liberation. (p. 17)

We have always been encouraged to understand femininity as a form of branding, albeit one burnt into our flesh at birth. (p. 19)

FUCKED-UP GIRLS

In Italy, there ist a tradition called ‚sciopero bianco‚ – the white strike. In English-speaking countries, it is known as work-to-rule. […] Eating disorders and other forms of dangerous self-harm are to riots in the streets what a white strike is to a factory occupation: (p. 32)

What the stereotype of the bra-burning, hairy-legged feminist is really supposed to suggest is that feminism, that politics itself, makes a woman ugly. (p. 34)

A pretty young woman is a paradox: at once a figure of desire and disgust. Hers is the power that all women are supposed to want, the only power we’re really allowed to have, the power to please and to play up to male sexual attention – and so it is vital that her power be put into place. (p. 35)

It’s interesting that ‚ugly‘ is still the insult most commonly thrown at women to dismiss their power, to get them to shut up. (p. 36)

The fall of patriarchy is unlikely to begin or end with one woman’s decision to wear fishnets or grow out her armpit hair, so relax. (p. 38)

A recent survey by shopping channel QVC claimed that the average British woman spends £2,055 per year, or 11 per cent of the median full-time female salary, on maintaining and updating the way she looks. (p. 41)

The more powerful women become, the more we are taught that our bodies are unacceptable. (p. 45)

Western womankind is collectively imangined as a toddler let loose in a candy store, so overwhelmed by the range of options that it has an ungrateful tantrum and is sick on the floor. (p. 48)

The cruellest lie they were told as girls was ‚it’s what’s on the inside that counts‘. (p. 50)

It’s only later that I will learn that between a quarter and a half of young people hospitalised with eating disorders are gay or genderqueer. (p. 54)

When you grow up to find yourself trapped in a body that seems to invite violence, a body that seems to be all you’re good for, a body that is suddenly and forever the most important thing about you, there is a grim logic to the attempt to cut your way out of it. (p. 56)

In her ‚Letters to L‘, M. Sandovsky writes that ‚The problem for women is not just uncovering what is political in the personal and personal in the political. It is finding a way to live inside of a contradiction.‘ (p. 57)

You reach a point where you have to decide what you will sacrifice to survive. (p. 57)

LOST BOYS

It is men’s dashed dreams that seem to matter most. And it is men’s resentful rage that makes their frustration fearful. (p. 63)

The greatest obstacle to women’s progress is not men’s hat, but their fear. (p. 65)

It should not, therefore, be as difficult as it is to explain to the average human male that while you, individual man, going about your daily business, […] may not hate and hurt women, men as a group – men as a structure – certainly do. (p. 68)

Women, it seems, are allowed to talk only about their gender. Men are allowed to talk about absolutely anything except their gender. (p. 74)

The first big secret is this: most men have never really been powerful. (p. 75)

The second big secret about the Golden Age of Masculinity, of course, is that it never really existed. (p. 75f)

Rates of suicide among fifteen-to-twenty-four-year-olds in the USA have tripled over the past thirty years. (p. 80)

‚It Gets Better‘ is neoliberal mythmaking writ large […]. (p. 82)

Crisis talk, however, is no long-term solution to inequality, and crisis talk is all the Obama generation has had to cling to for five years and more. (p. 83)

Social change happens when the old stories we tell ourselves to survive are no longer sufficient, and we create new ones. (p. 86)

In 2010, the world’s most powerful activist, Julian Assange, was arrested on rape charges he refused even to answer, and marginalised men-children across the world held his face on posters, telling the carrion-feeding cameras come to feast on the still twitching carcass of the renascent left that state surveillance was immoral, that whistle-blowers should be protected – and that women lie. (p. 87)

In fact, what is being ruined by women’s refusal to remain mute is the illusion of sexual equality. (p. 94)

Social heterosexuality has been allowed to remain a process of mutual dehumanisation. (p. 97)

[W]e have created a society in which it is structurally difficult and existentially stressful for any male person not to behave like a complete and utter arsehole. (p. 100)

ANTICLIMAX

In societies ravaged by the financial incompetence of rich men, it is the sexual incontinence of young women that is deemed the real danger to our children’s future. (p. 108)

More and more these days, sex looks like work. (p. 109)

She tells us that the threat of pregnancy is only terrifying because of the ongoing assault on our reproductive choices. (p. 112)

You are a body first, and your body is not yours alone: whether or not you are attracted to men, men and boys will believe they have a claim on your body, and the state gets to decide what you’re allowed to do with it afterwards. (p. 114)

At no point, however, has anyone implied that men who want to be sexually dominated by women also want to be dominated by them socially and economically. (p. 115)

For women, though, the mainstreaming of kink – and particularly of sadomasochism – is supposed to prove that we’re not as into all this liberation schtick as we might think. (p. 115)

What is more significant is that submission – alongside, from time to time, sex work – is the only kind of female sexual ‚unorthodoxy‘ that is currently deemed worthy of discussion, and it’s an unorthodoxy trussed up tight in the bondage tape of patriarchal expectations. (p. 117)

Fantasies about pretty young white women being controlled, hurt and dominated by men have always been the part of kink that nobody ever really had a problem with. (p. 117)

The great genious of commercial sexuality has been to give the impression that this society is one of unprecedented erotic freedom while maintaining the impression that sex is almost always something violent and disgusting that men do to women. (p. 125)

Teaching men self-disgust is crucial to maintaining the architecture of modern misogyny. If sex weren’t dirty and degrading, there would be less reason to loathe women for letting you do it to them, no matter how much you want to. (p. 126)

The impression given by most industrially produced porn and its imitators, the one thing that most current mainstream pornography shares with the sexual script of advertising and the mantra of women’s magazines, is the insistence that sex, like every other alienated labour, is serious business. (p. 128)

When a lof of feminists say they hate pornography and prostitution, what they mean is that they hate the transactional nature of sex, the patriarchal equation whereby every party remains convinced they’re the one getting screwed: he pays her and she services him. (p. 131)

[The single mother] is unworthy of sympathy, much less assistance. (p. 135)

The rule of law cannot be relied upon when it routinely fails victims of abuse. (p. 148)

CYBERSEXISM

The fact that so many women were spending so much time talking to one another online without oversight or policing was part of what led to the feminist revivial of the mid-2000s. (p. 157)

If you’re a woman and somebody calls you ‚attention seeking‘, that’s a sure way to tell you’ve made an impact. (p. 162)

In this age of images, the right to request no photos is a sign of truly intimidating social status, of money, power or both, and women, especially young women, almost never have that right. (p. 163)

The message is remarkably similar, in fact, to the lectures one imagines young girls receiving before contraception, legal abortion and the relative relaxation of religious propriety: your sins will never be forgiven. One slip is enough to disgrace you for life. (p. 164)

Although the technology is new, the language of shame and sin around women’s use of the Internet is very, very old. (p. 164)

Patriarchal surveillance was a daily feature of the lives of women and girls for centuries before the computer in every workplace and the camera in every pocket made it that much easier. (p. 165)

It takes to another level the traditional pose of paranoia and anal self-retention that has for centuries been called ‚femininity‘. (p. 167)

At the same time as girls everywhere are warned to stay offline if we want to preserve a paleo-Victorian nation of our ‚reputation‘, we are told that sex and violence on the Internet isn’t ‚real‘. (p. 168)

Germaine Greer once wrote that women had no idea how much men hated them. Well, now we do. (p. 178)

The power to watch men back is something the web affords women, but men haven’t quite realised it yet. (p. 179)

In 2011 I wrote that a woman’s opinion was the mini-skirt of the Internet; if she has one and dares to flaunt it in public, she is deemed to deserve any abuse that comes her way – she was asking for it. (p. 181)

Everywhere, people in positions of privilege warp and misuse the idea of ‚free speech‘ to shut down and silence everyone else’s rith to speak freely. (p. 183)

Kate Losse was one of Facebook’s earliest employees […]. ‚One thing I noticed is how driven by women’s images and social media labour Facebook and other social technologies are.‘ (p. 189)

A long history of learned defensiveness leads nerds to come together to protect any member of their group, whatever they’ve done. (p. 193)

Part of the problem is the suspicion that girls just aren’t as clever as boys. (p. 194)

We’re not less smart, we’re just different smart. Smart at things that don’t involve being listened to or making an impact on the world. You know, different smart. It’s a eugenics of gender that would be seen for the throat-cloasingly vile propaganda it is were the tests being done on people of different races, ethnicities or sexual preferences. (p. 195f.)

You can hack anything, after all, and that includes sexism. (p. 198)

The Internet is a real place. It’s where we live and work and fight and fuck and make friends. (p. 199)

LOVE AND LIES

The colonisation of love by capitalist patriarchy is a deeply painful thing. (p. 203)

It is love as ritual and as product […]. (p. 205)

LoveTM is the other side of the pornographic narrative; the other side of SexTM. (p. 205)

In many social situations, it is now more acceptable to say you don’t believe in God than it is to say you don’t believe in love. (p. 206)

Religion, like opium, was a refuge from the anxieties of the age, replacing personal, individual dispair with a whole new set of problems. (p. 207)

We talk a lot about women as sex objects, but the reduction of women to love objects does just as much damage; (p. 214)

Sometimes you have to decide between doing what you love and being lovable, and the decision is always painful. (p. 216)

Men write women, and they rewrite us, for revenge. (p. 219)

It’s definitely easier to be a girl than it is to do the work of being a grown woman, especially when you know that grown women are far more fearful to the men whose approval seems so vital to your happyness. (p. 220)

[…] and if love workers ever questioned their conditions, their love would automatically be less worthwile, less genuine […] (p. 225)

It is important, however, to recognise that a lot of the work that women do remains unpaid or underpaid because we think of it as ‚love‘, as a moral expression of feeling rather than a practical task of immense and tangible value. (p. 225)

For men, love is supposed to be the reward you get in return for work; for women, love is work in itself. (p. 226)

You tell your potential boyfriend the same lies you tell your potential boss: I’m easy-going, flexible, low-stress and cheerful, just like you want me to be. (p. 227)

The purpose of dating, as far as the market is concerned, is to produce households. (p. 228)

In real life, there is a superabundance of romance, friendship, partnership, sex and adventure to be had, and the truly terrible thing about shop-bought love in pretty packages is that it makes it seem that human feeling is a scarce resource. (p. 234)

Women and girls in particular must summon the courage to devote the best efforts of our lives to something other than LoveTM. The idea that we have no control over who we love and what we do about it is one of the most disempowering things girls are ever told. (p. 238)

AFTERWORD

The raw humanity of others is the unspeakable truth every mechanism of modern sexism is designed to disguise. (p. 242)

To cope with the intimate terrorism of neoliberal patriarchy we’ve got to work on giving fewer fucks. We’ve got to work on having no shame because we need no shame, because none of us do, unless we have hurt another person. (p. 243)

We’ve got to stop letting stale old men define our dreams. (p. 243)

We must refuse to judge others by any standard other than that of kindness and decency. (p. 243)

Feminism and radical politics are about demanding more than a choice between one type of servitude and another. (p. 244)

We have the technology to speak back to power not just in one voice, but in many. (p. 245)

 

 

Gelesen: Arbeit und Struktur

Vor etwas mehr als einem Monat habe ich die Buchausgabe von Wolfgang Herrndorfs Blog »Arbeit und Struktur« fertiggelesen. Der Inhalt ist bekannt: Herrndorf erhält die Diagnose, an einem rasch zum Tode führenden Hirntumor zu leiden. Er entscheidet sich, die ihm bleibende Lebenszeit mit Arbeit und Struktur zu füllen, beendet die beiden Romane »Tschick« und »Sand« und nimmt sich zum Schluss, so wie er es von Anfang an geplant hat, das Leben.

Wer das Buch zur Hand nimmt, weiß also, wie es endet. Kennt vielleicht das Foto von Herrndorfs Todesort. Oder hat vielleicht schon das Blog gelesen und bereits getrauert.

Durch die Buchform und das damit einhergehende komprimierte Lesen bekommt die Geschichte aber noch einmal eine neue Wucht. Und die Entwicklung des Protagonisten, des Erzählers – herrgott, die Entwicklung Herrndorfs halt hat mich noch tiefer beeindruckt als ohnehin schon. So muss man es machen, dachte ich oft: So muss man sterben können. Diese Klarheit, diesen Mut und diese Aufrichtigkeit der Gefühle möchte ich, wenn’s ans Ende geht, auch haben.

Dieses Buch wird bei mir bleiben, bis ich den Löffel abgebe. Ich hoffe, mich auf den letzten Metern daran zu erinnern, dass es mir Trost sein kann.