Vorspiel zur Hölle

Das 19. Jahrhundert kommt mir derzeit in meinem Kulturkonsum regelmäßig unter: in Elizabeth Gaskells »Mary Barton«, im Sherlock-Special »The Abominable Bride«, zuletzt im Wien Museum, wo Fotografien von Andreas Groll aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderst gezeigt werden. The Unthanks haben auch ein sehr berührendes Lied im Repertoire, The Testimony of Patience Kershaw (YouTube), über eine junge Arbeiterin in einer Kohlengrube.

Jedes Mal denke ich dann, dass das 20. Jahrhundert nach all dem nur in Blut und Tod und grenzenloser Gewalt enden konnte. Dass es eine Welt zerreißen muss, in der modernste Technik neben unfassbarem Elend existiert. Dass die Spannung zu groß war, die Ungerechtigkeit zu bodenlos, die Unmenschlichkeit zu kalt und die Hybris zu zynisch.

Dieser Gedanke ist einer der wenigen, der mich zur Zeit trösten kann: Es war alles schon so viel schlimmer, und zwar nicht in grauer Vorzeit, sondern eigentlich grad eben. Es ist schon so viel erkämpft worden, und vieles davon ist nicht mehr rückgängig zu machen (I hope …). Das 19. Jahrhundert kommt mir manchmal vor wie ein fiebriger Alptraum, das Vorspiel zur Hölle, die darauf folgte.

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