The Abominable Bride

Am 1. Jänner wurde, lang erwartet, ein Special zu Sherlock ausgestrahlt: The Abominable Bride, diesmal nicht in unserer, sondern in der Gegenwart der Originalerzählungen angesiedelt, also Ende des 19. Jahrhunderts.

Der Spoiler vorweg, weil er für meine Kritik unerlässlich ist: Die titelgebende abscheuliche, nämlich mordende Braut ist Teil eines Frauennetzwerks, das die bösen Ehemänner der Mitglieder umbringt. Das wirft für mich einige Fragen auf:

Warum findet Mycroft, dies sei ein „Krieg, den wir verlieren müssen“? Ist er nicht mehr Führungskraft der britischen Regierung, sondern Gleichstellungsbeauftragter undercover?

Warum hält Sherlock, während er die Verschwörung der Frauen aufdeckt, eine rührselige Rede über die unbeachteten Wesen „an unserer Seite, denen wir nicht einmal so etwas kleines wie das Wahlrecht zugestehen wollen“? Ist er nicht mehr Soziopath, sondern Frauenversteher?

Warum tun die Autoren der Folge so, als wäre die Emanzipation der bürgerlichen weißen Frau schon immer ein Anliegen der intelligenten = „guten“ Männer gewesen und nicht von radikalen, weit außerhalb der anerkannten gesellschaftlichen Normen stehenden Frauen gegen den erklärten Willen dieser Männer erkämpft? Anders gedreht: Hat es der Feminismus tatsächlich schon so weit gebracht, dass ausgewiesene Machos wie Stephen Moffat den Feministinnen Kränzchen drehen zu müssen meinen? Das wäre ja so schlecht nicht.

Aber: Auch Mycrofts ganzer Auftritt in dieser Folge war völlig out of character. Gerade eben hatte er (am Ende von His Last Vow) seinen Bruder in ein Flugzeug gesetzt, das ihn ins Ausland und dort in den sicheren Tod bringen sollte. Nun, im Special, holt er ihn noch während des Startvorgangs zurück, um den wiedergekehrten Moriarty zu bekämpfen, und weil Sherlock sich fast mit einer Überdosis in den Exitus geschossen hat, wird Mycroft plötzlich zum weinerlichen Fürsorger, der schwört, immer für seinen Bruder da zu sein?

Ist das nicht doch schon Arbeitsverweigerung der Autoren?

Beste Momente, trotz allem: Wenn John Sherlock ordentlich herunterputzt und der offensichtlich große Freude daran hat. Und der Moment am Reichenbachfall, als John sagt: „Actually, would you mind?“ und ich zusammen mit dem ganzen internationalen Sherlock-Fandom ganz kurz dachte: Jetzt küssen sie sich! Man wünscht seinen Figuren halt einfach das Glück. Und, bitte: bessere Scripts.

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