Britten mit Kawums

Gestern mit H. im Theater an der Wien »Peter Grimes« von Benjamin Britten gesehen. Unser zweiter Britten-Abend, nach einem ganz großartigen »Tod in Venedig« vor ein paar Jahren, und diesmal ahnten wir schon, was uns erwarten würde: moderne, aber trotzdem gut hörbare Musik, das Drama eines von seinen eigenen Wünschen und der diese Wünsche ablehnenden Gesellschaft gemarterten Mannes, starke Gefühle.

Die schönste Stimme des Abends war die von Agneta Eichenholz in der Rolle der Ellen. Eigentlich dachte ich, dass Soprane mir nicht liegen, aber das war die wärmste, kraftvollste und innigste Frauenstimme, an die ich mich erinnern kann. Joseph Kaiser als Peter Grimes fand ich eine kleine Stimme, aber schauspielerisch zeigte er, was er kann, als die Handlung sich zuspitzte.

Der Lehrling des Peter Grimes, in den dieser sich verliebt wie in die anderen Lehrlinge vor ihm, die allesamt unter unklaren Umständen ums Leben gekommen sind, war ein junger, schmaler Tänzer, wie sich später in einer Traumszene zeigte: Als der Junge Grimes in dessen Phantasie umarmte, war dies der einzige Moment, in denen das Glück frei fließen durfte, nach langen Stunden der Pein und des Verschweigens.

Ich fragte mich, ob das Stück akzeptabel gewesen wäre, wenn statt des Tänzers tatsächlich ein Kind (a boy) mitgespielt hätte. A boy kann vieles sein, denke ich, aber wohl kein Erwachsener, mag er auch erst 18 sein. Die Inszenierung umschiffte das Problem Pädophilie, so war der junge Mann auf der Bühne durchaus sexuell aktiv und ohne Zweifel erwachsen.

Ich weiß nicht genau, was ich darüber denken soll. Homosexualität war zu Brittens Zeit illegal, die Gefahr und das Tabu waren groß. Gelang es nur, von den Gefühlen zu berichten, indem er sie in so eine abseitige Figur wie Grimes verlagerte, die er dennoch nicht verriet? Diese Vermischung von Homosexualität und Pädophilie ist aus heutiger Sicht jedenfalls irritierend.

Foto :: Theater an der Wien :: Monika Rittershaus

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