Generation Hauptbahnhof

Heute war ich nach langer Zeit wieder bei der Flüchtlingshilfe am Hauptbahnhof. Auf Facebook las ich, dass die Lebensmittelspenden langsam weniger werden, und füllte deshalb wie erbeten beim Bahnhofs-Spar zwei Nachziehkörbchen mit Wasser, Saft, Obst und Milchbrötchen, um sie dann mit dem Lift hoch auf den Bahnsteig und am anderen Ende des Bahnsteigs über die Treppe wieder hinunter zur Bahnhofshilfe zu schleppen.

Zum Mithelfen hatte ich keine Zeit, aber es waren ohnehin viele Leute vor Ort. Die extreme Leistungsfähigkeit der Bahnhofshilfe beruht halt auch auf enormen Personalreserven und auf der Tatsache, dass Leerläufe kein Problem darstellen.

Die Stimmung heute war anders als bei meinem Arbeitsbesuch vor ein paar Wochen, kam mir vor. Damals war viel Euphorie bei den Helfer*innen zu spüren, viel berechtigter Stolz darauf, etwas aus dem Nichts geschaffen und vielen Menschen das Leben leichter gemacht zu haben. Heute war es ruhiger, müder, ernster, trauriger auch, meine ich. Dazu trägt wahrscheinlich vor allem die politische Lage bei, die den Flüchtenden viel Hoffnung geraubt haben muss. Aber es sind natürlich auch die Mühen der Ebene jetzt deutlich spürbar, der lange Herbst, der noch längere Winter, die vor uns und vor allem vor den Flüchtenden liegen. Was passiert, wenn nächste Woche wieder die Uni beginnt? Wer kümmert sich dann?

Wie es aussieht, werde ich zumindest eine Weile arbeitslos sein. In der Zeit möchte ich mithelfen und vor allem sauber machen. Das ist auch gut für die Seele, wenn es halbwegs ordentlich aussieht.

Familien saßen beim Hauptbahnhof in der Eingangshalle am Boden, junge Männer mit abgelatschten Chucks, erschöpfte Mütter, ihre Kinder eingeschlafen wo sie lagen – Bilder wie aus dem Internet, einer Frau lächelte ich zu, ich hoffe, sie hat es nicht falsch verstanden, auf die Kinder konnte ich nicht schauen, da stieg mir schon das Wasser in die Augen, mein Besuch war ganz sachlich gewesen und plötzlich auf dem Weg raus flog mich die Verzweiflung an, es ist eine Schande und ein Skandal und die eigene Hilflosigkeit ist nicht auszuhalten.

Advertisements

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s