Am Strand

Ein kleiner Bub liegt am Strand, mit dem Gesicht am Boden, Hintern in der Luft, die Hände neben den Knien, die er unter den Körper gezogen hat. Er ist drei Jahre alt, so alt wie mein Sohn, der oft in der gleichen Position schläft. Aber das Kinder am Strand ist tot.

Auf einem anderen Bild sieht man einen uniformierten Mann, der dieses Kind gerade wegträgt. Seine kleinen weichen Beine in den winzigen Schuhen hängen über die Arme des Mannes.

Ein Dreijähriger weiß schon viel. Er ist schon groß, er kann gehen und rennen und sprechen und Nein sagen. Er kann einen Joghurtdeckel abziehen und mit einer Schere umgehen. Er kann Witze machen und versuchen, die Erwachsenen auszutricksen, um seine Ziele zu erreichen.

Er ist gerade erst in der Welt angekommen.

Ein Dreijähriger ist total hilflos, und er vertraut den Menschen, die sich um ihn kümmern und ihn lieben, zu hundert Prozent. Mein Gehirn zwingt mich mir vorzustellen, wie ein Dreijähriger stirbt. Dass er allein ist und Angst hat und zu seiner Mutter will. Und Angst und Angst.

Mein Gehirn zwingt mich mir den Schmerz und die Schuld vorzustellen, sein Kind verloren zu haben, ihm nicht helfen gekonnt zu haben, es nicht getröstet zu haben, als es so große, unvorstellbar große Angst hatte. Und den Hass auf den eigenen Körper, der weiterlebt und atmet.

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