Sex gegen Geld

Der Text, der in diesem Tweet zitiert wird, hat mich zum Staunen gebracht. Der formulierte Gedanke ist ja nicht neu, aber er widersprach offenbar so grundlegend meinem Selbstbild, dass er mir nicht aus dem Kopf ging.

Deshalb möchte ich jetzt zwei Textbausteine ins Blog stellen, die ich vor etwa einem Jahr im Zuge der Prostitutionsdebatte in Deutschland geschrieben habe. Damals war ich nicht in der Lage, einen zusammenhängenden Blogpost daraus zu basteln, aber ich fände es schade, sie ganz unter den Tisch fallen zu lassen. Bei Gelegenheit möge mensch daran weiterdenken. Bitte sehr:

»Frappierend bis erschreckend ist für mich der Bekenntnisreflex vieler Frauen, die zu Beginn ihres Statements [zum Thema Prostitution] meinen sich deklarieren zu müssen. Entweder: »Ich habe auch schon damit geliebäugelt, Sexarbeit zu leisten.« Oder: »Für mich käme dieser Beruf nicht in Frage.« Offenbar ist es eine unhinterfragbare Selbstverständlichkeit, dass Frauen für die Versorgung von Männern mit sexuellen Lusterfahrungen zuständig sind und einer Frau nur die Wahl bleibt, sich dieser Aufgabe als »Heilige« zu entschlagen oder sie als »Hure« zu übernehmen.«

[…]

»Obwohl in der Diskussion sehr viel neoliberale Rhetorik von »Was zwei freie Erwachsene miteinander vereinbaren, geht niemanden etwas an« verwendet wird, ist die zur Diskussion stehende Prostitution doch nur wieder das Alte, Ewiggleiche. Gäbe es tatsächlich die vielbeschworene totale Dienstleistungsfreiheit, wären die Prostitution tatsächlich etwas anderes als Reproduktion eines männlichen Privilegs und gälte die sexuelle Lust der Frau tatsächlich etwas, dann müsste es längst einen brummenden Markt sexueller Dienstleistungen für Frauen geben.

Wenn man auch nur einen Augenblick länger darüber nachdenkt, wird es übrigens immer verwunderlicher, dass dieser Markt nicht exisitiert, gilt doch die Befriedigung eines Mannes gemeinhin als unterkomplexe Aufgabe aus dem Zeitalter des Faustkeils, während man der weiblichen Lust Anforderungen aus der Raketenwissenschaft unterstellt – in einer überreifen Dienstleistungsgesellschaft sind »spezielle« Bedürfnisse doch umkämpfte Wachstumsmärkte einer ansonsten stillstehenden Wirtschaft!«

Bild: Wikimedia Commons // Jakob Matham nach Hendrick Goltzius // Libido // 1600

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