Licht und Lärm und Wandel

Foto 2-1Am 5. Jänner findet im Heimatort meines Vaters jedes Jahr ein sogenannter »Glöcklerlauf« statt. Dieses Jahr war ich, seit langem einmal wieder und zum ersten Mal mit Mann und Kind, unter den Zuseher*innen.

Winter, verpiss dich, keiner vermisst dich!

Am Ablauf hat sich seit meiner Kindheit fast nichts geändert: Weißgekleidete Menschen (früher nur Männer und Buben) tragen Kuhglocken an den Gürteln und auf den Köpfen große, kunstvoll gestaltete Kappen aus buntem Papier, die von innen mit Kerzen beleuchtet werden. Aus mehreren Richtungen kommen Gruppen dieser Glöckler zum Dorfplatz gelaufen, bilden dort, hinter der Sternkappe mit dem Schweif, nach verschiedenen Formationen eine lange Schlange, die sich über den Platz windet, und sollen so mit Licht und Lärm den Winter austreiben.

Alte Männer, neue Kappen

In meiner Kindheit sind die Glöckler noch tatsächlich gelaufen – heute ist der Mann unter der Leitkappe über 70 Jahre alt, wie mir mein Vater sagte, daher war es eher ein Glöcklergang und etwas weniger imposant als früher. Dafür sind die Kappen heute viel detailreicher gearbeitet und wirklich schön anzusehen. Die Stimmung war, trotz Nieselregen und viel zu warmem Wetter, sehr schön.

Der Schwarze Kaspar

Nach dem Lauf treten die Sternsinger des Männergesangsvereins auf. Verkleidet als »Die heiligen drei Könige«, singen die auch heute noch die gleichen Lieder wie früher. Wahrscheinlich ist tatsächlich noch niemand von ihnen auf die Idee gekommen, dass das Anmalen eines Österreichers mit schwarzer Schminke, der dann singt »Und ich stell als Kaspar den Neger vor!«, ein Problem sein könnte. (Mein Vater wusste aber gleich, was ich meinte, als ich fragte: »Was hat der da grad gesungen?«)

Tradition wird gemacht

Es wäre leicht, das zu ändern. Denn der Glöcklerlauf ist selbst ein Beispiel dafür, wie vermeintliche Tradion geschaffen und gemacht wird: Erst seit 50 Jahren, sagten mir meine Eltern, laufen die Vorchdorfer*innen dem Winter auf diese Weise davon. Der Brauch stammt nämlich aus einer weiter südlich gelegenen Region, aus dem Gosautal oder aus Ebensee, wenn ich mich recht erinnere, und wurde von einem Hauptschuldirektor, der von dort kam, nach Vorchdorf importiert. Heute gehört der Glöcklerlauf ganz selbstverständlich nach Vorchdorf. Es wäre schön, wenn er auch ins 21. Jahrhundert gehören könnte.

Bild: Glöckerlauf in Vorchdorf // 5. Jänner 2014 // Pamela Huck

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