Gesehen: glam!

Karl_Stoecker_Brian_EnoIm Linzer Kustmuseum Lentos läuft noch bis Anfang Februar die Ausstellung »GLAM! The Performance of Style. Musik | Mode | Kunst«. Wäre ich nicht zufällig am 4. Jänner in Linz gewesen und hätte mich nicht von der Fassade des Lentos ein riesiges Porträt von David Bowie als Aladdin Sane angeglotzt, hätte ich sie glatt verpasst. Und was soll ich sagen: Ich hätte leider nicht viel versäumt.

Nicht falsch verstehen: Natürlich macht das alles glücklich – das Make-up, der Glitter, die Schminke, all die Männer in ihren schönen, durchgedrehten Outfits lassen mir das Herz aufgehen und mich noch nachträglich jubilieren, dass all das möglich war und ist. Aber die Ausstellung fragt halt fast gar nicht nach den Bedingungen dieser Möglichkeit. Kurz wird erwähnt, dass Homosexualität seit 1967 in Großbritannien nicht mehr illegal war. Hauptsächlich ist aber von Kunstunis, Hochschulen und anderen elitären Zirkeln die Rede, in denen sich Männer gegenseitig gefördert und einen Hype produziert haben. Glam wird in der Ausstellung gänzlich unreflektiert als weiße, männliche, homoerotische Bewegung der Mittelschicht sichtbar. Frauen tauchen erst wieder auf, als es um die Reflexion von Glam in der Kunst geht.

Das war vor allem deshalb überraschend, weil die Ausstellung eigentlich ganz anders beginnt: mit schwarz-weißen Porträtfotos junger britischer Frauen, die Fans waren und das ausdrückten, indem sie ihre Jeans und T-Shirts beschrifteten. Aufgenommen in der ärmlichen Umgebung, in der sie lebten, bleiben diese ganz unglamorösen jungen Frauen völlig unbesprochen und unbefragt.

Aus vielen Gründen finde ich das schade. Einer davon ist, dass ich selbst als Teenager, 20 Jahre nach den jungen britischen Fans, festsitzend in einer ebenso langweiligen Umgebung wie sie, mit Haut und Haaren den androgynen Charakteren David Bowies verfallen bin. Damals fühlte ich mich oft, als wäre ich Kurt Cobain, und bis heute steht für mich nicht fest, ob ich Bowie sein oder haben wollte. Bowie-Fan zu sein war auf jeden Fall noch lange später so etwas wie ein Erkennungszeichen: Man wusste sofort, dass man sich nicht mit dem konservativen Männer-Frauen-Scheiß aufhalten musste, sondern gemeinsam etwas anderes besser fand.

Bild: Karl Stöcker // Brian Eno Wearing Stage Costume Designed by Carol McNicoll // 1973

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