Vom Einfügen

Wie es aussieht, will unser Sohn nicht in der Kinderkrippe sein, die ihm einen Platz gegeben hat. Nach drei Monaten »Eingewöhnung« hole ich ihn immer noch täglich nach längstens 45 Minuten ab, verschwitzt, mit geröteten Augen oder weinend. Dabei ist er nicht verzweifelt: Kaum sind wir fünf Minuten später wieder daheim, läuft er fröhlich durch die Wohnung, greift bei der Jause kräftig zu, kuschelt, lacht und spielt. Auch später am Tag, beim Zubettgehen oder in der Nacht ist er unverändert gut gelaunt und angstfrei. Er ist in der Krippe wohl nicht in Not, sondern drückt lediglich seinen Protest aus. Das, zumindest, beruhigt mich.

Die Betreuerinnen sind ratlos. Sie hätten das noch nie gehabt, sagen sie, dass ein Kind sich so gar nicht eingewöhnen würde. Ich vermute, sie haben zu wenig Zeit für unseren Sohn. »Wenn man mit ihm spricht, dann geht es«, sagte die Chefin. »Aber ich kann nicht ununterbrochen mit ihm reden.« Gleichzeitig werden schon alle Betreuerinnen spürbar ungeduldig, denn ein weinendes Kind stört natürlich nicht nur den Ablauf der Betreuungseinrichtung, sondern irritiert auch die anderen Kinder. Eine Lösung muss her, und zwar bis Ende des Monats.

Ich habe mich bereits auf die Suche nach anderen Einrichtungen mit freien Krippenplätzen gemacht. Wollen wir hoffen, dass unser Kind bald in einer davon so fröhlich durch die Räume springt, wie sein kleiner Doppelgänger, den wir in einem Buch entdeckt haben und der das Titelbild für diesen Beitrag abgibt. Und wollen wir ebenfalls hoffen, dass die Betreuerinnen in dieser Einrichtung ihm die Liebe und Aufmerksamkeit geben können, die er braucht, und dass es nicht bloß darum geht, sich möglichst brav einzufügen. Denn obwohl alle Beteiligten sich Mühe geben, schleicht sich hinterrücks etwas ein, das mir nicht behagt: dass mein Kind, seine Entwicklung, seinen Kompetenzen, seine Selbständigkeit in Frage gestellt werden.

Illustration: Stefanie Scharnberg, Duden – Das Wimmel-Wörterbuch

Warum das Reden nicht hilft

»In solchen Zeiten des historischen Pessimismus, da der Einzelne immer wieder seine Ohnmacht zu spüren kriegt, verliert das Reden seine Bedeutung, weil es nichts ändern kann und weil auch niemand auf die Idee kommt, es könnte etwas ändern. Das macht Talkshows heute so unerheblich, selbst wenn sie intelligent und interessant sind. Weil es in Wirklichkeit um nichts geht, weil keine Hoffnungen damit verknüpft sind. (…) Wenn die Gesellschaft veränderbar scheint, dann quillt sie über von Streitthemen, die beredet werden müssen. Und dann wird auch entsprechend heftig gestritten: weil es um etwas geht. (…) Heute jedoch geht es um eine einzige Frage: ob die Politik in der Lage sein wird, die Macht von einer international weltweit vernetzten Oligarchie, die auch die Steuern verweigern kann, zurückzuerobern, und ob in Zeiten der ökonomischen Sachzwangherrschaft die Demokratie überleben kann oder ob sie zur entleerten Hülle wird, wie Colin Crouch meint. Ehe das nicht geklärt ist, ist es zwar interessant, trägt aber zur Lösung der Probleme kaum bei, über Weltbevölkerung, Klimawandel, Hunger usw. zu reden. Man kann es tun, aber wozu, wenn die von uns Gewählten nichts zu entscheiden haben? Die Machtfrage ist daher das Thema, über das zu reden ist – wobei wir uns allerdings bewusst sein sollten, dass darüber reden und öffentliche Meinung die Entscheidung in dieser Frage kaum beeinflussen können.«

Peter Huemer, Über das Reden schreiben, in: Falter, Wiener Stadtgespräch 1–25. Die Dokumentation

Foto: Wikimedia Commons // Manfred Werner – Tsui

Hustensaft: Ein Hausmittel

Heute muss ich das Loblied des Schwarzen Rettichs singen. Ich habe keine Ahnung, was man daraus kochen kann, aber schon als ich ein Kind war – und heute, mit dem kleinen N. im Hause, wieder – hat er uns mit dem simpelsten, leckersten und billigsten Hustensaft versorgt, der sich denken lässt. So geht’s:

  • Schwarzen Rettich kaufen. Gibt’s auf Gemüsemärkten, ich kaufe ihn am Naschmarkt. Obacht, nicht mit Roten Rüben verwechseln!
  • Unter dem Blätteransatz einen kleinen Deckel abschneiden.
  • Rettich aushöhlen, Rettichfleisch entsorgen oder, wenn man weiß wie, verkochen (siehe oben).
  • Ausgehöhlten Rettich mit Kandiszucker füllen, den Deckel wieder drauflegen und stabil auf die Anrichte stellen.

Ich baue ihm dafür in einer kleinen Plastikschale ein Nest aus Alufolie. Auch wenn er anfangs selber zu stehen scheint: Der Rettich wird mit der Zeit weich und kippt dann um, das will niemand.

  • Ein paar Stunden warten.

Durch den Zucker zieht der Rettich reichlich Wasser, das wiederum den Zucker auflöst. (Man kennt das Prinzip vom Weißen Rettich, der gesalzen zur bayerischen Brotzeit gereicht wird.) Der so entstandene Hustensaft hat nur einen ganz leichten Rettichgeschmack, der aber nicht einmal so wählerische Kinder wie meinen N. stört.

  • Deckel lupfen, Hustensaft löffeln, Deckel wieder drauflegen. Kann ein paar Tage so stehen bleiben.

Ich gebe dem 17 Monate alten N. je nachdem, wie stark sein Husten ist, mehrmals am Tag ein paar Teelöffel voll Saft. Vor allem natürlich abends, damit er gut schlafen kann und sich nicht selbst durch sein Husten aufweckt.

Zum Schluss noch die Hausverstands-Erklärung: Wenn ein Kind anhaltend hustet, muss es unbedingt vom Arzt/von der Ärztin untersucht werden. Ich weiß zum Beispiel von der Ärztin, dass N. nur deshalb hustet, weil seine Schnupfennase verstopft ist. Daher muss er mit offenem Mund atmen, was wiederum die Schleimhäute austrocknen lässt und den Hustenreiz verursacht.

Foto: Schwarzer Winterrettich // Wikimedia Commons // Zyance