Mein Ich ist der Wurlitzer im Lokal meines Lebens

Immer wieder wundere ich mich, wenn Menschen bruchlos und ganz zu sein scheinen und jeden Teil ihres Inneren als gleich wichtig, authentisch und mit sich selbst identisch ansehen.

Mein Innenleben ähnelt eher einem Wurlitzer, der österreichischen Traditionsmarke einer Jukebox. Ich habe viele verschiedene Platten drin, auch einige, die mir überhaupt nicht gefallen, die Hass und Selbsthass leiern, Klischees und Vorurteile. Die gehören zur Standardbefüllung, man kriegt sie mit, ob man will oder nicht. Ich weiß, dass sie da sind, spiele sie nur nach Möglichkeit nicht so oft. Für mich sind das Kurzschlüsse und Fehler, wenn sie sich hin und wieder selbst starten.

Meine eigene Auswahl ins Musikprogramm aufzunehmen war ein wenig aufwändig. Das macht man nicht jeden Tag, man muss im Handbuch nachschauen, wie das Ding aufgeht, wo man welche Schraube drehen muss und wie man die Platten einsetzt. Wahrscheinlich habe ich deshalb seit längerer Zeit keine neuen mehr eingebaut. “Ich könnte, wenn ich wollte” – na, man kennt das.

So habe ich trotzdem eine ziemlich bunte Mischung zusammengestellt. Sie passt nicht zusammen, sie widerspricht sich sogar. Die Platten stehen unverbunden nebeneinander, aber der Arm, der sie auswählt, ist immer der selbe. Mein Job ist es, die richtigen Tasten zu drücken. Wenn die Musik im Lokal meines Lebens Scheiße ist, kann ich niemand anderem die Schuld geben.

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