Ich suche eure Trauer

Seit ich gestern gelesen habe, dass der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf sich das Leben genommen hat, suche ich in den Blogs nach Abschiedstexten. Und finde nichts. Sein Schreiben, seine Krankheit, sein Blog „Arbeit und Struktur“ waren Teil meines Internets, aber es ist, als gäbe es darin keinen Platz mehr für persönliche Nachrufe. Auf Twitter und Facebook rauscht etwas vorbei, da und dort taucht ein Kommentar auf, ein bekannter Name, aber nicht mehr.

Dieses Internet ist schmerzfrei geworden. Professionell, witzig, vollautomatisch verlinkter Content. Mir fehlen die Schmerzensmänner und -frauen, die Blogger_innen in der Nacht. Ich geh jetzt zum Kühlschrank. Diese Flasche ist für Sie, Herr Herrndorf. Und für euch, die ihr euch erinnert.

Go with the flow

Wenn ich etwas gelernt habe in dem Jahr mit N., dann das: Alles gelingt, wenn wir im Flow bleiben. Er steuert seine Ziele an, ich begleite ihn dabei, lotse ihn um Untiefen und gefährliche Strömungen herum, zeige ihm Rastplätze, nehme ich auch manchmal mit, wenn ich eigene Wege zu befahren habe. Ich plane für uns, aber so offen, dass es uns nicht einengt. Selbst was eigentlich festgesetzt ist, muss dennoch oft verändert werden.

Das ist anstrengend. Aber ich glaube, es ist der Grund dafür, dass wir nicht miteinander kämpfen müssen. Wann immer er sinnvoll bestimmen kann, dann darf er das auch.

Sein Vater geht genauso mit ihm um. “Wir tun, was er will, deshalb tut er, was wir wollen.” So hat der H. das beschrieben.